NWZ, 30.04.2011:

Dokumente:

Anfrage des Oldenburgers B.:

Guten Tag, Herr Dr. Schwandner,

ich schreibe sie an, weil ich sie um Unterstützung für den Verein Werkstattfilm bitten möchte.

Ich habe zwar nicht mit diesem Verein zu tun, habe allerdings schon zahlreiche Veranstaltung besucht.

Wenn die Stadt schon nicht selber in der Lage ist seine alten Fotos und Filme zu archivieren und zu erhalten, sollten wir

nicht so nachlässig mit der Sache umgehen.

Ich habe den Eindruck, dass in dieser Stadt für viele unnötige Sachen invenstiert wird, aber hier unterstützt man nicht.

Ich bitte sie, sich hier vehement für die Unterstützung einzusetzen, oder dafür Sorge zu tragen, dass das Material gesichert und dann von der Stadt erhalten wird.


Antwort des Oberbürgermeisters:

Sehr geehrter Herr B.,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 10.04.2011.

Eine Unterstützung des Vereins Werkstattfilm erfolgt bereits seit Jahren. Seit 2007 wurde die anfängliche Projektförderung in eine institutionelle Förderung umgewandelt. Im Fördervertrag wurde eine jährliche Zuschusssumme von 15.000 EUR vereinbart. Von diesem Betrag werden 5.203,08 EUR für die subventionierte Miete einschließlich pauschalierter Nebenkosten für 88,74 m² reine Büroflächen im städtischen Gebäude in der Katharinenstraße 1, das dem Verein zur Verfügung steht, einbehalten.

Darüber hinaus stehen dem Verein dort weitere 88,74 m², zu denen u. a.
das Dokumentenlager, WC, Küche, Kellerräume sowie Flure zählen, kostenlos zur Verfügung. Das Kulturamt hat Werkstattfilm zusätzlich noch einen weiteren Kellerraum (ca. 66 m²) in der Peterstraße 1 als Lager kostenfrei überlassen. Ich kann also nicht erkennen, dass die Stadt Oldenburg den Verein Werkstattfilm nicht unterstützt!

Im vergangenen Jahr konnte die Genehmigung des städtischen Haushalts nur dadurch erreicht werden, dass sämtliche Zuschüsse um 5 % gekürzt wurden. Von dieser Kürzung war der Verein Werkstattfilm ebenso wie alle anderen städtischen Zuschussempfänger betroffen. Die Vorgaben dieses Haushaltssicherungskonzeptes gelten auch weiterhin. Eine Erhöhung des städtischen Zuschussbetrages für Werkstattfilm kann also nur zu Lasten anderer städtischer Kulturträger vorgenommen werden. Eine solche Zuschussverlagerung z.B. von der Jugendkunstschule zu Werkstattfilm kann ich nicht gutheißen.

Was die Sicherung des Materials von Werkstattfilm angeht, so hat es in der Vergangenheit das Angebot gegeben, dieses im Stadtarchiv unterzubringen. Dies ist vom Verein vehement angelehnt worden, obwohl ihm der jederzeitige Zugriff auf die Materialien zugesichert worden ist.
Verwahren möchte ich mich deshalb ausdrücklich auch gegen Ihre Annahme, die Stadt Oldenburg sei nicht in der Lage, die wertvollen historischen Filme zu archivieren und zu erhalten. Mit dem Stadtarchiv steht dafür eine kompetente Einrichtung zur Verfügung, die sich dieser Aufgabe gerne widmen würde. Mit dem zusätzlichen Know-how von Werkstattfilm könnte dort meiner Ansicht nach eine hervorragende Aufarbeitung der visuellen Stadtgeschichte umgesetzt werden. Dazu bedarf es aber der Bereitschaft auf allen Seiten.

Ich hoffe, mit meinen Informationen ein wenig Klarheit in dieser Angelegenheit geschaffen zu haben und verbleibe

mit freundlichem Gruß
gez.
Prof. Dr. Gerd Schwandner


Antwort von Werkstattfilm an B.:

Sehr geehrter Herr B.,

haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre Unterstützung ! Nur wenn die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt den Wert unseres Film- und Medienarchivs erkennen und sich gegenüber Rat, Verwaltung und Oberbürgermeister für dessen Erhalt und eine angemessene Ausstattung einsetzen, hat Werkstattfilm eine - wenn auch sehr kleine - Chance, die Situation zu verbessern.


Kurz zum Inhalt des Antwortschreibens von Herrn Prof. Schwandner: Wie immer ergeht er sich eingangs in einer Beschreibung, wie wohlwollend und großzügig die Unterstützung Werkstattfilms durch die Stadt doch sei. Wenn Sie sich vergegenwärtigen, dass das OTM (an dem die Stadt federführend beteiligt ist) im letzten Jahr für eine fragwürdige Postkartenaktion, durch die sicherlich kein zusätzlicher Tourist Oldenburg angelaufen hat, 250 000 Euro ausgegeben hat, wird sicherlich die Skandalösität der Ausführungen des OB deutlich.

Auch fährt er die alte Taktik, freie Kulturträger gegeneinander auszuspielen. Wenn Werkstattfilm eine bessere Ausstattung des Medienarchivs fordert, fordert es keinesfalls, der Kunstschule oder den diversen Theatern das Geld zu kürzen. Wenn die Stadt den Willen hätte, das Medienarchiv zu fördern und zu sichern, so ließen sich z.B. in Form einer geförderten Kooperation von Werkstattfilm mit dem Stadtmuseum Wege der Finanzierung finden, die nicht zwangsläufig zur Streichung bei anderen Kulturträgern führen müssen. Man denkt darüber aber nicht nach, sondern organisiert einen Abwehrkampf in Form einer Schlammschlacht.


Unser Archiv ist im Bunker gut klimatisiert und sicher untergebracht, und niemand hat Zugang zu dem Archiv des Vereins als Werkstattfilm selbst, was eine Selbstverständlichkeit darstellt. Dass die Mitarbeiter des Stadtarchivs qualifiziert mit den Filmen und Fotos umgehen könnten, sehen selbst diese bezeichnenderweise anders als Schwandner. Es fehlen die notwendige Ausbildung und Ausstattung. Man ist im Stadtarchiv auch nicht ansatzweise in der Lage, eines der sehr zahlreichen analogen Medienformate zu digitalisieren. Dieses dann als annehmbare Alternative für die Einlagerung unseres Archivs anzubieten, ist gelinde gesagt eine Zumutung und zeugt von blankem Unwissen, was in einem Medienarchiv zu leisten ist. Auch diese Aussagen des OB sind also als reine Stimmungsmache abzuqualifizieren, die leider nicht zur Klärung der Sachlage beitragen können.


Leider scheint es so zu sein, dass die Stadt weiterhin eine eigentlich öffentliche Aufgabe nicht angemessen finanzieren und den Schwarzen Peter bei einer Schließung des Archivs Werkstattfilm zuschieben will. Dies werden wir gegebenenfalls öffentlichkeitswirksam zurückweisen. Wir bauen auf verantwortungsbewusste  Politiker und Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, die wie Sie, Herr B., sich an die Verantwortlichen wenden. Dafür nochmals herzlichen Dank !


Mit den besten Wünschen für das Osterfest.


Zahedi/ Poch, Werkstattfilm e.V.